Klößchen holt die Lacher – TKKG-Live-Hörspiel sorgt für beste Unterhaltung

Nachbericht TKKG das Livehörspiel in Bremen im Metropol Theater Das Publikum ist bunt gemischt an diesem Abend im Bremer Metropol-Theater, reicht von ganz jung bis jung bis einigermaßen alt. Besonders auffällig sind die vielen Mitdreißiger bis Mitvierziger, die zum Teil mit ihren Kindern gekommen sind – kein Wunder, gilt es doch, ihre aus der eigenen Jugend stammende Leidenschaft für die TKKG-Bande an die nächste Generation weiterzugeben. Dass dies gelingt, daran bleibt an diesem Abend kaum ein Zweifel – die vier Darsteller von Tim, Karl, Klößchen und Gaby räumen gemeinsam mit ihren beiden Schauspielkollegen und dem Geräuschemacher ordentlich ab.

TKKG-Live-Hörspiel sorgt für beste Unterhaltung„Manchmal muss ich weggucken, um mich auf die Stimmen zu konzentrieren“, sagt ein Fan der ersten Stunde – die Stimmen, die man zum Teil schon in der Kindheit gehört hat, denn immerhin zwei der vier Bandenmitglieder werden noch von den Akteuren der Anfangszeit gesprochen: von Sascha Draeger, der den Anführer Tim gibt, und Manou Lubowski, der als Klößchen nicht nur (nach wie vor) ordentlich verfressen ist, sondern in schöner Regelmäßigkeit auch die meisten Lacher holt – so wie vom Autor vorgegeben. Tobias Diakow als Karl und Rhea Harder als Gaby ergänzen das Quartett der vier Originalsprecher, unterstützt werden sie auf der Bühne von Luise Lunow, Michael Lott (der auch Regie geführt hat) und dem Geräuschemacher Peter Sandmann, der den gesamten Abend über besonders neugierige Blicke auf sich zieht – kein Wunder, gilt es doch zu erkunden, wie er all das macht, was da akustisch aus den Boxen kommt.

Auf diese Weise wird das Live-Hörspiel zum echten Ereignis: Sandmann, der auch schon für Filme wie „Papst Franziskus“ die Geräusche machte, zieht alle Register, ist für Schritte, Krähen, Flötentöne, Glockenschläge, Hundegebell und Drohnengeräusche verantwortlich, und auch visuell gibt der neue TKKG-Fall einiges her: die Protagonisten fahren auf Fahrrädern, werden je nach gewünschter Stimmung mal in Nebel, mal in buntes Licht getaucht. Erzähler Michael Lott darf derweil gemütlich im Sessel sitzen, aus dem es ihn immer dann reißt, wenn er in seine zweite Rolle als Polizist Möllen schlüpfen muss.

Live Show Bild TKKG Live HörspielDer Fall selbst dreht sich um den bewusstlos im Wasser treibenden Arne Aalreiter, dem TKKG – auf einer Radtour unterwegs – das Leben retten. Klar, dass die vier herausfinden wollen, was da genau passiert ist; also hören sie sich im benachbarten Dorf um, wo sie einige unheimliche Geschichten erfahren. „Das unheimliche Dorf gibt sein Geheimnis nicht so schnell preis“ erkennen die Vier, forschen aber tapfer weiter – und begeben sich dadurch sogar in Lebensgefahr.

Dienen die ersten 45 Minuten noch der Einführung der Figuren und des Aufbaus der unheimlichen Atmosphäre, so entwickelt sich der Fall nach der Pause zu einem klassischen „Whodunit“ – wer war es? Die seltsame Kräuterhexe? Mächte der Finsternis? Der etwas mysteriöse Dorfpolizist? Oder jemand ganz anderes? Und welche Rolle spielt das Opfer selbst in dem Fall? Und der etwas eigenartige Nachbar Schmitz?

Klar, dass es letztlich zu einer schlüssigen Auflösung kommt – viel wichtiger als der Plot ist dem Publikum aber ohnehin, dass der neue Autor Martin Hofstetter (der TKKG-Erfinder Rolf Kalmuczak alias Stefan Wolf ist vor ist vor einigen Jahren gestorben) die Archetypen der Reihe in bester Manier bedient, die Figuren damit wiedererkennbar macht. Der ewig hungrige Klößchen hat dabei einmal mehr einige der besten Sprüche abbekommen, Tim ist wie immer der souveräne und mutige Anführer, und auch Karl und Gaby sind, wie man sie kennt. Die vier TKKG-Sprecher, deren Stimmen man auch aus Serien wie „Game of Thrones“, „Baywatch“ oder „Stranger Things“ kennt, machen ihren Job dabei allesamt ausgezeichnet.

Bild von TKKG im Metropol Theater BremenSchön, dass auch die Selbstironie nicht zu kurz kommt – TKKG nehmen sich liebenswerterweise mehrfach selbst auf die Schippe; so souverän, wie es sich nur eine Serie leisten kann, die mit über 15 Millionen verkauften Bücher und 35 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten Jugend- und Hörspielreihen in Deutschland gehört. Oder, wie es Klößchen am Ende sagt: „TKKG-Abenteuer sind einfach die Besten“. Im Metropol-Theater war niemand zu hören, der da widersprochen hätte.