Annett Louisa hat nicht nur die Lacher, sondern auch die Sympathien auf ihrer Seite – wie eigentlich den gesamten Abend über im fast ausverkauften Metropol Theater Bremen.

Momente der Intimität – Annett Louisan reißt das Bremer Publikum mit

Annett Louisa hat nicht nur die Lacher, sondern auch die Sympathien auf ihrer Seite – wie eigentlich den gesamten Abend über im fast ausverkauften Metropol Theater Bremen. „Ich bin klein, das lässt sich einfach nicht wegdiskutieren“, singt Annett Louisan – und auch wenn es jeder im Publikum ohnehin weiß, kommt es gut an, was die nur 1,52 Meter große Sängerin da von sich gibt; zumal der Text auch mit einer Kampfansage verknüpft ist und viel Humor beinhaltet. „Ich lass mich nicht darauf reduzieren“, singt sie weiter, und endet mit: „Ich bin klein – aber wenigstens nicht dünn.“ Damit hat Annett Louisa nicht nur die Lacher, sondern auch die Sympathien auf ihrer Seite – wie eigentlich den gesamten Abend über im fast ausverkauften Metropol Theater Bremen.

Denn die Stärke dieses Abends, das wird schnell deutlich, ist die ureigene Stärke von Annett Louisan: die Fähigkeit, ihre teils sehr privaten Themen so zu vermitteln, dass die Zuschauer kaum anders können, als Anteil zu nehmen – und das tun sie reichlich. Die Sängerin selbst vermittelt in teils sehr langen, sehr authentisch wirkenden Ansagen, was ihr wichtig ist, was sie in den letzten Jahren angetrieben hat – da war die Geburt ihrer Tochter vor zwei Jahren natürlich das größte Thema, aber auch das Älter werden und die Sehnsucht nach Veränderung – all das fand sich in ihrem letzten Album „Kleine große Liebe“ wieder, und all das präsentierte sie nun auch auf ihrer aktuellen Tournee.Annett Louisan reißt das Bremer Publikum mit im Metropol Theater Bremen

„Ich will vor allem die neuen Lieder singen“, erklärt die Sängerin gleich zu Beginn des Konzerts – und das tut sie dann auch. Gleich 15 der 20 Songs ihres Doppelalbums schaffen es auf die Bühne des Metropoltheaters, darunter wunderbare leise Stücke wie „Zweites erstes Mal“ oder „Die schönsten Wege sind aus Holz“, aber auch poppige Midtempo-Nummern wie „Two Shades of Torsten“ (eine Anspielung auf 50 Shades of Grey: „Das habt ihr alle nicht gelesen, oder?“) oder „Straße der Millionäre“. Die Musik ist sehr vielseitig, vorgetragen von ihrer hervorragenden fünfköpfigen Band um Bandleader Hardy Kayser und zum Teil inspiriert von den 80er Jahren, in denen sie aufwuchs – erst in einem Dorf in Sachsen-Anhalt, dann in Hamburg.

Überhaupt sind nicht nur die Texte, sondern auch die Ansagen sehr reflektiert: Annett Louisan will keinen Zweifel daran lassen, was sie bewegt, will sich mitteilen – und schafft es mit Leichtigkeit, eine Verbindung zum Publikum aufzubauen, das sie schon mit den ersten Liedern auf ihrer Seite hat. Sie geht in den Stimmungen ihrer Lieder auf, leidet mit, lacht, feiert, singt mit geschlossenen Augen; mal verschmitzt, mal kämpferisch, mal melancholisch, mal – aber selten – in der Rolle der unschuldigen Lolita, die sie vor 15 Jahren häufiger gespielt hatte.

Denn Annett Louisan hat heute – mit jetzt 42 Jahren – andere Themen als damals, als sie mit ihrem Hit „Das Spiel“ durchstartete. Diesen – auch in Bremen mehrfach geforderten und gefeierten Song – spielt sie natürlich auch, kurz vor der Pause, aber der Zuhörer kann sich des Eindruckes nicht erwehren, dass ihr andere Songs an diesem Abend mehr am Herzen liegen – die neuen eben. Das ist sehr oft im Privaten verankert, sehr oft familiär, aber auch durchaus immer wieder verspielt; diese Eigenschaft hat sie aus den Anfangsjahren in die Jetzt-Zeit herübergerettet. Und sehr intensiv sind sie bisweilen, diese neuen Texte. „Ein besserer Mensch“ etwa richtet sich an ihrer Tochter, „Meine Kleine“ ist ihrer Mutter gewidmet. Bei der Zeile „Wünsch ich könnt die Zeit zurückdrehen“ ist neben mir ein großer Seufzer zu vernehmen – Annett Louisan spricht vielen aus der Seele, rührt an, bewegt. Das betrifft durch auch ein Lied wie „Verwandt“, in dem sie mögliche Schattenschatten der familiären Bindungen besingt. „Ich habe auch eine melancholische, dunkle Seite, auf die ich gut aufpassen muss“, räumt sie diesbezüglich ein.

Annett Louisan reißt das Bremer Publikum mit im Metropol Theater BremenVor zweieinhalb Jahren war sie zuletzt auf Tour, sagt sie – mit „einem kleinen Passagier“ dabei. Damals, führt sie aus, hätte sie immer gesagt, „lasst uns bloß nicht so lange spielen, sonst geht noch was kaputt“. Ihre erste Proseccofreie Tournee sei das gewesen, und zur Band gerichtet fährt sie schelmisch fort: „Ihr habt angestoßen – ich hab Käsebrötchen gegessen.“

Was die Musik betrifft, setzt Annett Louisan den auf ihrem letzten Album eingeschlagenen Weg konsequent fort: sie ist immer noch vorwiegend im Jazz- und Chansonbereich angesiedelt (was sich unter anderem im wunderbaren Charles Aznavour-Cover „Spiel Zigeuner“ niederschlägt), allerdings mit deutlich stärkeren Pop-Anteilen, was ihre Band mit großer Spielfreude umsetzt. Der zweite Teil nach der Pause ist dabei deutlich „moderner“ angelegt als der erste – Bühnenoptik und Kleiderwechsel illustrieren diesen gewollten Wechsel. Gegen Ende zieht Annett Louisan noch einmal alle Register, wandert, ganz Energiebündel, mit dem Mikrofon in die letzten Reihen des Parketts – und entlässt ihre Fans mit zwei alten Hits, „Das alles wär nie passiert“ (ohne Prosecco) und „Drück die 1“ sowie einer weiteren Coverversion aus dem Film La Boum, „Reality“ von Richard Sanderson.“ Das Publikum dankt es ihr mit begeistertem Applaus – und wird wahrscheinlich anschließend reichlich Prosecco getrunken haben.