Love and Peace mit Welthits

Beitragsbild Nachbericht Love and Peace mit Welthits - The Temptations Review im Metropol Theater Bremen am 12.10.2019

The Temptations Review begeisterte vor 1200 Gästen

„Wir bringen Love and Peace“, sagt der Tourneemanager vor Konzertbeginn zum Einlasspersonal, „lasst die Leute ruhig aufstehen und tanzen in der ersten Reihe, die Jungs mögen das.“ Die Jungs – das sind der 72-Jährige Glenn Leonard und seine vier kaum jüngeren Mitstreiter, die mitsamt ihrer formidablen sechsköpfigen Band in der Folge die Hits der „Temptations“ zum Besten gaben – fast eindreiviertel Stunden lang. Und wie sie das taten. Schon nach gut 40 Minuten gab es zu „Papa was a Rolling Stone“ die ersten Standing Ovations, die fortan fast zum Dauerzustand wurden. Die rund 1200 Gäste im Metropoltheater genossen es sichtlich, sich musikalisch in die Vergangenheit zu begeben. Dabei bekamen sie nicht nur reichlich Soul auf die Ohren – wie bei den Tempations üblich mehrstimmig vorgetragen – sondern auch viel für das Auge geboten: Leadsänger Glenn Leonard und seine Kollegen wissen, was erwartet wird, und liefern ihrem Alter zum Trotz eine nahezu perfekte Show ab. Nach dem Motto: Alter? Interessiert uns nicht! Die Bewegungen sitzen, manch fünfzig Jahre Jüngerer würde sich wünschen, so tanzen zu können.

Beitragsbild Nachbericht The Temptations Konzert im Metropol Theater Bremen am 12.10.

Neben Leonard sind mit Joe Hernon und Darnell Carter zwei weitere Sänger dabei, die einst zur Originalbesetzung der legendären „Temptations“ gehörten – Leonard war zwischen 1975 und 1983 festes Mitglied der Band, seinerzeit als erster Tenor und zweiter Leadsänger. Heute ist Leonard natürlich erster Leadsänger bei seinen Tempations-Shows, wenngleich er dem zweiten Lead-Sänger Andrew Jackson speziell im zweiten Teil des Konzerts sehr viel Raum lässt – der ist allerdings auch etwas jünger. Ein zweites Original-Mitglied ist der 70-jährige Walter Gregory „Joe“ Hernon, der zwischen 2003 und 2015 den Tempations angehörte, bevor er zu Glenn Leonards Review wechselte und dort mit seinem Bass beeindruckt. Der dritte im Bunde der Ex-Originals ist der Tenor Darnell Carter, der erst vor kurzem für G. C. Cameron eingesprungen ist. Vervollständigt wird das Quintett der „Temptations Review“ durch Kareem Ali.

Beitragsbild The Temptations Konzertbericht Review

Trotz des Besetzungswechsels harmonieren die fünf prächtig miteinander, auch, was den mehrstimmigen Falsettgesang betrifft, mit dem die „Temptations“ einst unter anderem berühmt geworden sind. Was heute nicht mehr ganz so bekannt ist: Schon vor den „Jackson Five“ mit dem ganz jungen Michael Jackson galten die „Temptations“ als erste „Boyband ever“ – neu waren damals auch die Choreographien, die heute ein Markenzeichen von allen Bands sind, die die alten „Temptations“-Hits spielen. Bis heute zählen die „Temptations“ zu den erfolgreichsten Soul-Künstlern aller Zeiten mit vielen Nummer-Eins-Hits, wurden mehrfach mit dem Grammy ausgezeichnet und auch in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen. Und natürlich stehen sie für das Motown-Label und den Motown-Sound.

Bemerkenswert im Bremer Metropoltheater: Songs und Sound kommen dermaßen frisch rüber, dass man, wenn man die Augen schließt, durchaus das Gefühl haben kann, in den späten Sechzigern oder frühen Siebzigern zu sein. Das damalige Zeitgefühl wird perfekt in die Jetzt-Zeit transportiert, was auch an der Band liegt, der es großartig gelingt, die – im heutigen R&B und Soul – eher verpönten rockigen Anteile der Songs in die Gegenwart zu retten.

Beitragsbild The Tempations Review im Metropol Theater Bremen Nachbericht

Den größten Anteil daran, dass der Abend so gut gelingt, haben natürlich die fünf Sänger – ihre große Lust, aber auch ihr Charme reißen das Publikum immer wieder mit. Die Besucher merken: Hier werden nicht nur alte Hits abgespult, Glenn Leonard und Co. sind immer noch mit Freude auf der Bühne – und haben sogar immer noch ihre Botschaft. Das zeigt sich besonders am Ende des Abends: „We need more love“, sagt Glenn Leonard und fordert das Publikum auf, dem Nächsten, auch wenn man ihn nicht kennt, die Hand zu geben. „We can make the difference“, postuliert der Leadsänger, und geht selbst mit gutem Beispiel voran – gemeinsam mit seinen Kollegen begibt er sich in die Zuschauerränge und schüttelt Hände, wo es nur geht, leidenschaftlich und freudestrahlend. Die Zuschauer nehmen diese Geste dankbar an und machen reichlich mit. Ein schöner Abschluss eines schönen Abends, der manch einen mit einem nostalgischen Lächeln auf den Lippen nach Hause gehen lässt.